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April 10, 2026
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"Ich kann nicht leben, ohne gar nichts zu tun; arbeyten noch spinnen kann ich ohnmöglich, allezeit plauderen were mir unerträglich... allezeit lesen kann ich auch nicht, mein hirnkasten ist zu verwirrt... schreiben amusiert mich und gibt meinen trauerigen gedanken distraction. Also werde ich keine von meinen correspondenzen abbrechen, und was Ihr auch sagen mögt, liebe Louise, so werde ich Euch alle donnerstag und sambstag schreiben und an meine liebe prinzeß von Wallis alle dienstag und freytag. I.L. liebe schreiben seind eine arzeney vor mich; denn sie schreibt so artig und verzehlt so angenehm, daß es eine rechte lust ist, I.L. schreiben zu lesen und zu beantworten; das divertiert mich mehr als die spektakel... Mein kleinster brief, so ich in der ganzen woche schreibe, ist an die königin in Spanien... und der gibt mir mehr mühe, als alle andere briefe... weilen ich als auf complimenten antworten muß, welche ich nie habe vertragen können... Es könnte leicht sein, daß die prinzeß von Wallis zufrieden sein könnte, nur einmal die woch von meinen albern briefen zu haben und nur einmal zu schreiben; aber das kompt mir gar nicht zu paß, werde also fortfahren, wie ich bisher getan."
"Es seind viel königliche personen, so man übel erzogen und in der jugend verdorben hat, ihnen nur ihre grandeur gelernt, aber nicht dabey, wie daß sie nur menschen wie andere seind und vor nichts mit aller ihrer grandeur zu estimieren sein, wofern sie kein gut gemüte haben und nach tugend trachten. Ich habe einmal in einem buch gelesen, daß man solche an säue vergleicht, mit goldenen halsbänder. Das hat mich frappiert und auch lachen machen, ist aber doch nicht übel gesagt."
"Ich habe keinen ehrgeiz, will nichts regieren, würde auch keinen lust drin finden. Das ist der franzoschen weiber einige (eigene) sache; keine küchenmagd hier glaubt, daß sie nicht verstand genung habe, das ganze königreich zu regieren, und daß man ihr das größte unrecht von der welt tut, sie nicht zu rat zu ziehen. Das hat mich alle ambition ganz verleydt; denn ich finde ein solch abscheulich ridicul hierin, daß mir davor graust.""
"Wie E.L. (Euer Liebden) mir nun die teutsche höf beschreiben, würde ich eine große verenderung drin finden; allein von der teutschen aufrichtigkeit halte ich mehr als von der magnificence und ist mir recht leyd zu vernehmen, daß solche sich verlieret im vatterland. Es ist leicht zu erachten, wovon der luxe die treuherzigkeit verjagt; man kann nicht magnifik sein ohne geld, und wenn man so sehr nach geld fragt, wird man interessiert, und wenn man einmal interessiert wird, sucht man alle mittel hervor, was zu bekommen, wodurch dann die falschheit, lügen und betriegen einreißt, welches dann treu, glauben und aufrichtigkeit ganz verjagt."
"Ich glaube, daß Mons. de Louvois in jener welt wegen der Pfalz brennt; er war greulich cruel, nichts konnte ihn jammern…"
"Denn ich habe Mannheim all mein Leben lieb gehabt."
"… das macht mir das hertz blutten, undt man nimbt mir es noch hoch vor übel daß ich trawerig drüber bin…"
"Ich vor mein theil wolte lieber ein reicher regierender reichsgraff sein mitt seiner freyheitt, alß ein enfant (Königskind Frankreichs), denn wir seindt in der that nichts anderst als gecronte sclaven; ich were erstickt, wenn ich dießes nicht gesagt hette..."
"Den es ist mir all mein leben leydt geweßen, ein weibsmensch zu sein, und churfürst zu sein, wehre mir, die wahrheit zu sagen, beßer ahngestanden, alß Madame zu sein; aber weillen es gottes willen nicht geweßen, ist es ohnnötig, dran zu gedencken..."
"Wie ich (als Kind) im Haag mit I.L. (= Ihrer Liebden, gemeint ist der spätere englische König Wilhelm III. von Oranien) spielte und met verlöff met verlöff (plattdeutsch: mit Verlaub) in mein hembt schiß, dachte ich woll nicht, daß er einsmals so eine große Figur machen würde; wenn nur seine große ahnschläge nicht besiegelt werden wie ich damals das spiel besiegelte; wenn es aber geschehen solte undt unß dadurch der friede zukäme, würde ich warlich gar woll zufrieden sein…"
"Wenn es wahr ist, daß man wieder jungfer wird, wenn man in langen jahren bey keinem mann schläft, so muß ich wieder eine jungfer geworden sein, denn seyder 17 jahren haben mein herr und ich nicht bey einander geschlafen, mögte aber, umb es gewiß zu wissen, nicht in der herren Tartaren hände fallen. Die Tartaren müssen mehr vom gefühl als vom gesicht halten in den 5 sinnen, weilen sie lieber alte als junge weiber haben."
"Ich habe (meine Tochter) nicht viel verendert gefunden, aber ihren Herrn (Gemahl) abscheülich. Er war vor dießem mitt den schönsten farben undt nun ist er ganz braunrodt und dicker, alß mein sohn; ich kann sagen, daß ich so dick und fette kinder habe, alß ich selber bin."
"… ich bin ja all mein leben häßlich gewesen, drum habe ich keine lust nehmen können, mein bärenkatzenaffengesicht im spiegel zu betrachten, also kein wunder, daß ich mich nicht oft betracht habe."
"Wenn ich die romans lange und an einem stück lesen müßte, würden sie mir beschwerlich fallen; ich lese aber nur ein blatt 3 oder 4, wenn ich met verlöff auf dem kackstuhl morgens und abends sitze, so amüsierts mich und ist weder mühsam noch langweilig so."
"Daß ist eine albere meinung, daß sich weiber undt maner in den wolcken verstecken können undt hageln, umb alles zu verderben. Zu Paris glaubt man ahn keine hexsen undt hört auch von keine. – Liselotte in einem Brief vom 30. Juni 1718 an ihre Halbschwester Louise zu Pfalz in: Elisabeth Charlotte Herzogin von Orléans, Briefe aus den Jahren 1676–1722; Hrsg. W. L. Holland, Band 3, Stuttgart/Tübingen 1874, S. 302–307; Online"
"In einem Leben, das nur auf Geld gestellt ist, geht es uns allen so. Man presst eine Zitrone aus und wirft sie fort."
"Woher kommt dem Menschen so großer Hunger nach verbotenen Speisen?"
"Wir streben immer zum Verbotenen und begehren das, was uns versagt wird."
"Wieviel Muscheln am Strand, soviel Schmerzen bietet die Liebe."
"Was wagt der freche Amor nicht?"
"Vergeude keine Zeit mit Bitten!"
"Um geliebt zu werden, sei liebenswürdig."
"Um zu genesen, musst du viel Schmerzhaftes ertragen."
"Überall herrscht Zufall. Lass deine Angel nur hängen; wo du's am wenigsten glaubst, sitzt im Strudel der Fisch."
"Traurig wirst du sein, wenn du allein sein wirst."
"Süß ist's, die Zeit auf die Bearbeitung der Äcker zu verwenden."
"Solange Du glücklich bist, wirst Du viele Freunde haben. Wenn die Zeiten bewölkt sein werden, wirst Du allein sein."
"So viele Sterne der Himmel, so viele Mädchen hat dein Rom."
"Schönheit ist vergänglich, und wie mit den Jahren sie zunimmt, nimmt sie auch ab."
"Rede dir ein, du liebst, wo du flüchtig begehrst. Glaub es dann selbst... Aufrichtig liebt, wem's gelang, sich selbst in Feuer zu sprechen."
"Nichts ist mächtiger als Gold."
"Nichts ist prägender als die Gewohnheit."
"Keusch ist, die niemand gefragt hat."
"Keine Berechnung kann das Schicksal besiegen."
"Jupiter lacht aus der Höhe über die Meineide der Liebenden und läßt sie bedeutungslos im aeolischen Südwind verwehen."
"In der Mitte wirst du am sichersten gehen."
"Hundert Gründe gibt es, weshalb ich immer verliebt bin."
"Hinterlistig strömt Amor in das arglose, unbewehrte Herz. Dem müßig Herumsitzenden pflegt dieser Knabe nachzustellen, die Tätigen verabscheut er."
"Glücklich, wer, was er liebt, tapfer zu verteidigen wagt."
"Gewähre Erholung; der Acker, der sich erholt, gibt reichlich, // Was er dir schuldet, zurück."
"Es ist erlaubt, sich vom Feind belehren zu lassen."
"Eine Gesinnung, die sich des Rechten bewusst ist, lacht über die Lügen des Gerüchts."
"Die Tat ist vergangen, die Denkmäler bleiben."
"Die Hoffnung ist es, die die Liebe nährt."
"Der Tropfen höhlt den Stein."
"Der Fisch, der einmal vom Haken verletzt wurde, vermutet Haken in jedem Brot."
"Das Bessere seh ich und lob ich, Schlechterem folget das Herz."
"Aufgeregte Gemüter zittern vor Hoffnung und Furcht."
"Auch wenn es dich empört: Das unerlaubte Vergnügen macht Spaß."
"Auch wenn die Kräfte fehlen, ist doch der [gute] Wille zu loben."