"My confidence in Spinoza rested on the serene effect he wrought in me, and it only increased when I found my worthy mystics were accused of Spinozism, and learned that even Leibnitz himself could not escape the charge; nay, that Boerhaave, being suspected of similar sentiments, had to abandon Theology for Medicine. But let no one think that I would have subscribed to his writings, and assented to them verbatim et literatim. For, that no one really understands another; that no one attaches the same idea to the same word which another does; that a dialogue, a book, excites in different persons different trains of thought:—this I had long seen all too plainly; and the reader will trust the assertion of the author of Faust and Werther, that deeply experienced in such misunderstandings, he was never so presumptuous as to think that he understood perfectly a man, who, as the scholar of Descartes, raised himself, through mathematical and rabbinical studies, to the highest reach of thought; and whose name even at this day seems to mark the limit of all speculative efforts. How much I appropriated from Spinoza, would be seen distinctly enough, if the visit of the "Wandering Jew," to Spinoza, which I had devised as a worthy ingredient for that poem, existed in writing. But it pleased me so much in the conception, and I found so much delight in meditating on it in silence, that I never could bring myself to the point of writing it out. Thus the notion, which would have been well enough as a passing joke, expanded itself until it lost its charm, and I banished it from my mind as something troublesome. The chief points, however, of what I owed to my study of Spinoza, so far as they have remained indelibly impressed on my mind, and have exercised a great influence on the subsequent course of my life, I will now unfold as briefly and succinctly as possible. [Original in German: Mein Zutrauen auf Spinoza ruhte auf der friedlichen Wirkung, die er in mir hervorbrachte, und es vermehrte sich nur, als man meine werten Mystiker des Spinozismus anklagte, als ich erfuhr, daß Leibniz selbst diesem Vorwurf nicht entgehen können, ja daß Boerhave, wegen gleicher Gesinnungen verdächtig, von der Theologie zur Medizin übergehen müssen. Denke man aber nicht, daß ich seine Schriften hätte unterschreiben und mich dazu buchstäblich bekennen mögen. Denn daß niemand den andern versteht; daß keiner bei denselben Worten dasselbe, was der andere, denkt; daß ein Gespräch, eine Lektüre bei verschiedenen Personen verschiedene Gedankenfolgen aufregt, hatte ich schon allzu deutlich eingesehen, und man wird dem Verfasser von »Werther« und »Faust« wohl zutrauen, daß er, von solchen Mißverständnissen tief durchdrungen, nicht selbst den Dünkel gehegt, einen Mann vollkommen zu verstehen, der als Schüler von Descartes durch mathematische und rabbinische Kultur sich zu dem Gipfel des Denkens hervorgehoben; der bis auf den heutigen Tag noch das Ziel aller spekulativen Bemühungen zu sein scheint. Was ich mir aber aus ihm zugeeignet, würde sich deutlich genug darstellen, wenn der Besuch, den der ewige Jude bei Spinoza abgelegt und den ich als ein wertes Ingrediens zu jenem Gedichte mir ausgedacht hatte, niedergeschrieben übrig geblieben wäre. Ich gefiel mir aber in dem Gedanken so wohl und beschäftigte mich im stillen so gern damit, daß ich nicht dazu gelangte, etwas aufzuschreiben; dadurch erweiterte sich aber der Einfall, der als vorübergehender Scherz nicht ohne Verdienst gewesen wäre, dergestalt, daß er seine Anmut verlor und ich ihn als lästig aus dem Sinne schlug. Inwiefern mir aber die Hauptpunkte jenes Verhältnisses zu Spinoza unvergeßlich geblieben sind, indem sie eine große Wirkung auf die Folge meines Lebens ausübten, will ich so kurz und bündig als möglich eröffnen und darstellen.]"
January 1, 1970