"[Ein] Halbblut... verschaffte mir die Einladung zu dem Haupt- und Staatsessen eines benachbarten Häuptlings. In der Speisekarte lockte mich lediglich ein Gericht, dessen Zubereitung immerhin von einigem Interesse für mich war. Einem fremden Stamme war eine junge Frau abgekauft worden (die Mitglieder des eigenen Stammes verwendet man meines Wissens auch in Neu-Mecklenburg nicht zu Speisezwecken...). Natürlich handelte es sich um Subskriptionsessen, und ich hatte meine Karte ziemlich teuer zu bezahlen. Damen waren nicht zugelassen. Für die besseren Herren, darunter mich, waren besondere Stücke vom Festbraten reserviert. Es wurde ein tiefes Loch gegraben und mit glühend heißen Steinen ausgelegt. Gewisse Weichteile des Körpers wickelte man zusammen mit wilder Brotfrucht sorgfältig in Bananenblätter ein, legte das Paket in den Ofen, deckte mehrere heiße Steine darauf und füllte das Loch wieder mit Erde an. Nach ungefähr vierundzwanzig Stunden hieß es: Messieurs sont servis! Wie gesagt, ich heizte zur Beruhigung meines Magens bedeutend mit Kognak ein. Aber als der Leckerbissen auf die Eßmatte kam, in Aussehen und Konsistenz etwa einer Gänseleberpastete ähnlich, überkam mich dennoch die Übelkeit, und ich mußte mich schleunigst entfernen, sehr zum Entsetzen meines einführenden Freundes.... Der Plebs röstete sich die anderen Teile, roh tranchiert, einfach auf offenem Feuer. Doch dieser Anblick, so schrecklich er auch sein mochte, schien mir geradezu erfrischend im Vergleich zu dem raffinierten Aroma jener Delikatesse aus dem Backofen. Die Nerven der Nase sind doch die zartesten.... Eigentlich ist das Unsinn. Denn mit dem Prinzip, nie die eigenen Verwandten aufzuessen, hat man doch alle seine ethischen und ästhetischen Verpflichtungen erfüllt."
January 1, 1970
https://en.wikiquote.org/wiki/Cannibalism_in_Oceania